Geschichte der St.-Marien-Kirche zu Bad Berka


Die erste urkundliche Erwähnung unserer heutigen Kleinstadt Bad Berka im mittleren Ilmtal stammt aus dem Jahre 1119. 1906 legte man bei Schachtarbeiten im Gelände des heutigen Liebfrauenweges die Grundmauern einer romanischen Kapelle frei. Die Flurbezeichnung "Liebfrauenweg" erinnert noch heute an den Namen jener kleinen Kapelle.

Schon immer bedrohte die plötzlich über die Ufer tretende Ilm das bewohnte Gebiet. Vielleicht wurde aus diesem Grund im Jahr 1240 bei der Klostergründung unter Dietrich dem Älteren, dem Grafen von Berka, der erhöhte Standort der heutigen "Kircheninsel" gewählt. Pfarr- und Klosterkirche waren der Jungfrau Maria geweiht.

1608 vernichtete ein großer Brand unsere Stadt. Auch Kirche mit Pfarrhaus und Schule wurden ein Raub der Flammen. 1727 begann man unter Förderung durch Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar, den Kirchturm wieder aufzubauen.
Am 1. November 1731 feierte die damalige Gemeinde das erste Knopffest des neu erstandenen Kirchturmes. Auf seiner Spitze wurde als Wetterfahne ein Hirsch montiert, zum Zeichen, dass Berka mitten im Jagdgebiet der Weimarer Herzöge lag.


Nur 8 Jahre später begann die Kirchgemeinde, auf den Grundmauern der alten gotischen Klosterkirche den einheitlichen stattlichen Barockbau zu errichten. Dabei kamen einige der noch erhaltenen Außenwände zur Verwendung. So sehen wir an der Ostwand noch heute einen gotischen Spitzbogen; auch die Sandsteinwände am Hintereingang weisen auf eine ältere baugeschichtliche Epoche hin. 1741 wurde diese neue Kirche in ihrer barocken Gestalt der St. Marienkirchgemeinde Berka zur gottesdienstlichen Nutzung übergeben. Die letzte Innensanierung erfolgte 1989 unter der Beratung des Weimarer Restaurators Horst Jährling.

Nach Wiederaufbau der durch zahlreiche Brände zerstörten Kirche wurde 1742/43 auch eine neue Orgel eingebaut. Die Disposition für diese Orgel erstellte Johann Sebastian Bach, damals bereits Thomaskantor in Leipzig. Gebaut wurde sie vom "Hoforgelmacher" Heinrich Nicolaus Trebs aus Weimar. Die Orgel fand auf der zweiten Empore der Westseite Aufstellung. Eine einschneidende Veränderung erfährt die Orgel 1922/23: Der Orgelbauer Böttcher aus Weimar stellt das Instrument vom mechanischen auf das pneumatische Prinzip um, verändert grundlegend die Disposition und stellt das Instrument auf der ersten Empore auf. Im Dezember 1988 erfolgt der Abriss der alten Orgel, und im Mai 1991 wird die, von der Fa. Böhm, Gotha, neu gebaute Orgel für ihren Dienst geweiht. Sie verfügt auf Hauptwerk, Oberwerk und Pedal über 26 Register mit 1.859 Pfeifen und ist wieder mit dem mechanischen Prinzip ausgerüstet. Aus dem alten Instrument wurde nur der weitgehend originale Prospekt von 1743 übernommen.



Der Kanzelaufbau aus dem Jahre 1739 wurde von dem Bildhauer Böhme gestaltet. Zwei korinthische Säulenpaare, seit der letzten Renovierung in blau gefasst, tragen den Kanzelaufbau. Jesus ist als der auferstandene Sieger über den Tod dargestellt (ursprünglich mit einer Fahne in der Hand), an seiner Seite die beiden Grabesengel.





Die flämische Holztiefschnitzerei aus der 1914 zerschossenen Kirche Bixschote stellt den Tempelgang der Maria dar. Nach dem apokryphen Jakobusevangelium wurde sie 3-jährig von ihren Eltern Anna und Joachim zur Erziehung und Pflege in den Tempel gebracht, wo sie bis zu ihrer Verlobung lebte. Wiederhergestellt und gestiftet wurde dieses Relief durch Pfarrer Schleifenheimer.


Der Taufstein aus dem Jahre 1739 mit der Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes wurde später verändert. Der ehemals schwebende Himmel ist 1954 entfernt worden.




Die Fenster wurden 1899 von Herrn Mirus aus Weimar gestiftet.
Er stammte aus Bad Berka.